Das Projekt

I-Read PROJEKT ZIELE zur Entwicklung und Förderung grundlegender Lese- und Schreibfähigkeiten von Erwachsenen, insbesondere von Frauen mit niedrigem Bildungsniveau

Die Alphabetisierung ist für die menschliche Entwicklung von grundlegender Bedeutung, da sie es den Menschen ermöglicht, ein erfülltes Leben zu führen und einen Beitrag zu ihren Gemeinschaften und Gesellschaften zu leisten. Auch wenn in einigen Ländern die offiziellen Daten zu diesem Thema fehlen, muss doch festgehalten werden, dass viele EU-Bürger*innen nicht über ausreichende Lese- und Schreibkompetenzen verfügen. Dies ist insofern kritisch, weil Alphabetisierung auch eine wesentliche Voraussetzung für alle Arten des Lernens ist. In der wissensbasierten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts, mit der raschen Verbreitung neuer Technologien und einer sich ständig verändernden Arbeitswelt, ist Bildung nicht mehr auf Kindheit und Jugend beschränkt, sondern sollte als lebenslang und lebensumspannend begriffen werden. In Europa hat jede/r fünfte 16-65-Jährige schlechte Lesefähigkeiten, und es wird geschätzt, dass etwa 55 Millionen Erwachsene zwischen 15 und 65 Jahren Leseschwierigkeiten haben (World Literacy Foundation, 2015). Europäische Männer haben im Vergleich zu europäischen Frauen ein etwas höheres Alphabetisierungsniveau (OECD, PIAAC). Laut PIAAC-Daten verzeichnet Österreich unter den EU-Ländern den größten geschlechtsspezifischen Unterschied in Bezug auf Lese- und Schreibschwierigkeiten.

In Rumänien haben laut den letzten offiziellen Volkszählungsdaten (2011) 1,4% der Gesamtbevölkerung keine Bildung/keine Grundkenntnisse im Lesen und Schreiben, während der Anteil der Analphabet*innen nach Geschlecht darauf hinweist, dass das Problem bei Frauen schwerwiegender ist: 1% Männer und 1,7% Frauen. Die Zahl der Analphabetinnen (rund 160.000) ist doppelt so hoch wie die Zahl der Analphabeten in Rumänien (80.000). Nach ethnischer Zugehörigkeit haben 1% der Rumän*innen, 14,1% der Roma/Romnja und 11,1% der Türk*innen keine Grundkenntnisse im Lesen und Schreiben.

Nach Geschlecht und Ethnizität aufgeschlüsselte Daten zeigen, dass Frauen aus ethnischen Minderheitengruppen die höchste Analphabetenrate aufweisen. So haben 0,6 % der rumänischen Männer, 1,4 % der rumänischen Frauen, 11,3 % der Roma-Männer und 17 % der Roma-Frauen, 8 % der türkischen Männer und 14,8 % der türkischen Frauen keine grundlegenden Lese- und Schreibkenntnisse.

Auch in anderen europäischen Ländern wie der Türkei (4,4%) und Spanien (1,7%) (UNDP) ist die Analphabetenrate unter Erwachsenen beträchtlich. Nach Angaben der UNESCO registrierte die Türkei im Jahr 2016 fast 2 Millionen Analphabetinnen und etwa 350.000 Analphabeten. In Spanien liegt die Zahl der Analphabetinnen bei etwa 460.000, während die Zahl der Analphabeten bei 220.000 liegt.

Menschen mit Alphabetisierungsschwierigkeiten schämen sich für ihre Defizite, verbergen sie, glauben, zu alt zum Lernen zu sein, und halten eine Verbesserung entweder für unmöglich oder haben Angst vor dem Scheitern (Hanushek & Woessmann, 2011). Menschen mit Alphabetisierungsproblemen leiden eher unter Arbeitslosigkeit, schlechter Gesundheit und Armut. Alphabetisierungsprobleme kosten die EU-Wirtschaft jedes Jahr über 350 Milliarden Euro (World Literacy Foundation, 2015).

SPEZIFISCHE ZIELE

1. Verbesserung der sozialen Integration von Frauen ohne grundlegende Lese- und Schreibkenntnisse, um sie in ihrer Selbstverwirklichung unterstützen zu können;

2. Entwicklung und Bereitstellung eines innovativen Instruments, mit dem grundlegende Lese- und Schreibfähigkeiten vermittelt werden können, für Organisationen und NGOs, die ihrerseits Frauen mit niedrigem Bildungsstand unterstützen;

3. Support für NGOs, die für Frauen auf lokaler Ebene, in ländlichen Gebieten und generell für benachteiligte Gruppen tätig sind.

ZIELGRUPPE

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ILLITERATE FRAUEN, aus benachteiligten Gruppen wie jene der Roma, oder der Migrantinnen und Migranten
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MENTOR*INNEN, die Analphabetinnen bei der Erlangung grundlegender Alphabetisierung unterstützen werden
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EXPERT*INNEN in der Erwachsenenbildung, in der IT-Anwendung für Lern-/Trainingszwecke, sowie für Mentoring

Das i-Read-Projekt entwickelt 2 PRODUKTE:

1. Werkzeug zum Lesen-Lernen - LRT ein innovativer Ansatz zur Vermittlung von grundlegenden Lesefähigkeiten. Avatare vermitteln dabei über das Smartphone das Alphabet sowie 25-50 grundlegende Sätze für das tägliche Leben.
2. Handbuch für Mentor*innen, die lesen und schreiben können und Analphabet*innen (Familienmitglieder, Freund*innen) dabei unterstützen, lesen und schreiben zu lernen.

Die erwarteten positiven Auswirkungen des i-Read-Projekts

AUSWIRKUNGEN AUF DIE TEILNEHMER*INNEN

  1. Analphabet*innen aus Roma- oder Migrant*innengemeinschaften: Die direkte Auswirkung ist das Erreichen einer grundlegenden Alphabetisierung - am Ende des Projekts werden die Teilnehmer*innen des Projekts "i-Read women learner" das Alphabet und mindestens 25 - 50 einfache Sätze kennen. Spillover-Effekte: Die Teilnehmer*innen werden auch mit der Benutzung von Mobiltelefonen und IT-Anwendungen für das Lernen vertraut gemacht. Zusätzlich regt das Projekt dazu an, die Rolle und Stellung der Frau in Gemeinschaft und Gesellschaft zu reflektieren, das Selbstwertgefühl insbesondere von Frauen zu stärken und damit deren soziale Integration zu fördern; weiters die Bildungsaspiration von Kindern, insbesondere von Mädchen, zu unterstützen (z.B. in Roma-Gemeinschaften oder andere Minderheiten) und dadurch Konflikte und intergenerationelle Unterschiede (Mutter-Tochter-Beziehung) zu verringern.
  2. Mentor*innen: Die direkte Wirkung besteht in der Entwicklung und Erweiterung der Kompetenzen als Mentor*in. Spillover-Effekte: Engagement in der Gemeinschaft, Freiwilligenarbeit.
  3. Expert*innen in der Erwachsenenbildung, grundlegende Alphabetisierung, IT-Lernwerkzeuge, Mentoring: Die direkte Auswirkung besteht in zusätzlichem Know How durch die Integration und Umsetzung der Projektergebnisse in deren Arbeit. Spillover-Effekte: Erhöhung der Sichtbarkeit des Projekts und der Ergebnisse innerhalb der Expert*innennetzwerke.

AUSWIRKUNGEN AUF DIE TEILNEHMENDEN ORGANISATIONEN

Organisationen, die Mitglieder der Partnerschaft sind, profitieren folgendermaßen: Erweiterung des Dienstleistungsportfolios, - Erschließung neuer Kund*innengruppen - Entwicklung neuer Lern-/Ausbildungsmethoden - Generierung neuer Projektideen, die auf spezifische Bedürfnisse eingehen.

AUSWIRKUNGEN AUF DIE ZIELGRUPPE

Zielgruppen im Allgemeinen: "i-Read-Frauen als Lernende" und "i-Read-Frauen als Mentorinnen" Die direkte Auswirkung ist die Verringerung der Zahl der Analphabetinnen in von Marginalisierung bedrohten Gemeinschaften mit spezifischen kulturellen Mustern.Spillover-Effekte für "i-Read-Frauen als Lernerinnen": Das gute Beispiel (grundlegende Alphabetisierung und Erlernen des Gebrauchs eines Mobiltelefons / moderne Kommunikationstechnologie) führt innerhalb der Zielgruppe dazu, dass die Zahl der lese- und schreibkundigen Frauen in den geschlossenen Gemeinschaften kontinuierlich steigt. Dies ist eine langfristige Auswirkung.

Spillover-Effekte für "i-Read-Mentorinnen": Erhöhung der Zahl der Mentorinnen für die Alphabetisierung von Frauen, die LRT nutzen.

Unbeabsichtigte Auswirkungen: Veränderung der Haltung in Bezug auf: die Rolle und Position von Frauen in Gemeinschaft und Gesellschaft, Stärkung des Selbstwertgefühls von Frauen, um deren soziale Integration zu unterstützen; Erhöhung der Bildungsbeteiligung von Kindern, insbesondere von Mädchen (z.B. Roma-Gemeinschaften oder andere Minderheiten); Verringerung von und Vermittlung bei Konflikten zwischen den Generationen (Mutter-Tochter-Beziehung).

AUSWIRKUNGEN AUF ANDERE RELEVANTE STAKEHOLDER

Die im Projekt entwickelten Produkte können von nationalen und europäischen Organisationen in den Bereichen (Erwachsenen-) Bildung, Soziales, Integration von Migranten, und Arbeitsintegration genutzt werden und einen Beitrag zur Entwicklung und Umsetzung aktiver Maßnahmen und evidenzbasierter Strategien leisten.

AUSWIRKUNGEN AUF LOKALER UND NATIONALER EBENE

Im Allgemeinen werden die Auswirkungen des Projekts auf lokaler und nationaler Ebene die gleichen sein wie oben erwähnt, wobei für jedes Partnerland die relevantesten Gruppen angesprochen werden (z.B. für Rumänien und die Türkei ethnische Minderheiten, für Österreich und Spanien - Migranten).

AUSWIRKUNGEN AUF REGIONALER UND EUROPÄISCHER/ INTERNATIONALER EBENE

Die Endergebnisse des Projekts können sich auf die EU auswirken, wenn sie ausreichend gefördert werden und Lösungen und Ressourcen für ihren Transfer auf der Ebene der nationalen und EU-Entscheidungsträger gefunden werden, um in neue aktive Maßnahmen und Politiken zur sozialen Integration von Analphabet*innen einbezogen zu werden.